Können Kommunikationsberater Kinderbuch?
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Thomas Brückner, Partner
Eigentlich wollen die alten Kühe Elsa und Martine auf der Alp einen geruhsamen Lebensabend verbringen. Wären da nicht die blauen Flügel, die Elsa wachsen, wenn sie ihre Augen schliesst...

In eine solche Welt tauchte ich regelmässig beim freien Erzählen von Gutenachtgeschichten mit meiner Tochter nach der Arbeit ein. Wir entwickelten Figuren und ihre Abenteuer. Aus der Welt der zwei fliegenden Kühe wurde ein Kinderbuch, das Ende März erschienen ist.
Seither frage ich mich vermehrt, was das mit meiner Arbeit zu tun hat. Als Berater bin ich tagsüber damit befasst, Kund:innen durch gute Gedanken und eine geschmeidige Feder zu unterstützen; an die nächste Geländekammer zu denken; Expertise in Geld umzumünzen. Die Arbeit am Tag ist genauso packend wie die Welt in der Nacht. Gemeinsamkeiten gibt es auf den ersten Blick aber wenige.
Die Vierbeiner sind zwar auch, aber anders von Reputation und einer "social licence to operate" abhängig. Im Fall von Krisen folgen sie ihren Instinkten und verzichten auf fremde Ratschläge und Checklisten. Besteht die einzige Verbindung etwa darin, den Zauber der Welt ganz allgemein auch bei der Beratung zu erkennen? Nein!
Drei Gemeinsamkeiten
Es braucht in der Beratung wie bei Geschichten die Idee. Viele denken dabei an «DIE» Idee. Den grossen Wurf, den überragenden Claim oder die geniale Strategie. Das ist es nicht. Die Idee ist meist nicht mehr als eine Ahnung oder ein Einstieg. Sie muss in Selbstermächtigung geäussert werden. Der gute Berater steht fest auf dem Boden, um seine Kund:innen zu Hochleistungsläufen zu befähigen. Der gute Erzähler nimmt die Sicherheit für eine tragende Geschichte aus seiner Vorstellungskraft. Beide «vertrauen sich», ihren Kundinnen und Zuhörern. Sie lassen sich von allem, was auf dem Weg mit der Idee passiert, inspirieren.
Langer Atem. Ich habe ein halbes Dutzend Bücher in verschiedenen Rollen realisiert. Ich war darauf vorbereitet, dass ein Kinderbuch zwar dünn ist, aber voll von Arbeit steckt. «Elsa und Martine» erforderte besonders langen Atem. Mühselig? Nein, wundervoll einer schnell getakteten Zeit! Es gab Phasen von Durststrecken, es bedurfte an Durchhaltewillen und an Einfühlvermögen. Es wurde aber eine Erfolgsgeschichte. Daran hatte ich nie Zweifel. Die Beziehung zu unseren Kund:innen benötigt all das auch, zumal sie zu uns kommen, wenn sie ausserhalb der Tagesordnung und Komfortzone agieren. Dass sie oft über Jahre bei uns bleiben, zeigt, dass gute Berater Beziehungsräume mit genug Sauerstoff für den langen Atem schaffen.
Am Anfang war das Bild. Die letzte Gemeinsamkeit war ein grosses Lernen für einen Wortmenschen, wie ich es bin. Ich habe privat und beruflich oft das Bild als Beigabe zum Wort erlebt. Natürlich waren mir Methoden wie Design-Thinking begegnet. Aber wenn ich schrieb, so war meist am Anfang das Wort. Bei einem Kinderbuch ist es so: Sind Bilder entstanden, dann richten sich die Worte nach ihnen, ergänzen, umgarnen und verfeinern sie. In der Beratung kann ich davon lernen. Anfangsbilder sind vielleicht Kundenbriefings oder gemeinsam formulierte Ziele. Wortberge und Pitch-Dokumentationen sind nicht der Anfang. Innovatives entsteht meist dann, wenn sich Bild und Wort auf Augenhöhe begegnen.
«Kaffee und Karin», «Birgit und Bier» singt der grosse Wortkünstler Sven Regener von «Element of Crime» und bringt scheinbar Unzusammenhängendes in eine einzigartige Schwingung mit Bildern. «Kinderbuch und Kommunikationsberatung» holpert sprachlich gewaltig und scheint ohne Zusammenhang. Aber als Kommunikationsberater möchte ich ganz Sinne der drei Gemeinsamkeiten auch «Kinderbuch können».



